Zwischen Abwehr und Öffnung
Der Feldzugang zu Berufungskommissionen als ethnografisches Experiment
DOI:
https://doi.org/10.60789/921228Schlagworte:
Hochschulforschung, Gleichstellungspraktiken, ‚unsystematischer‘ Feldzugang, institutionelle Logiken, weak tiesAbstract
Berufungskommissionen sind hochgradig formalisierte und dabei schwer zugängliche Schauplätze universitärer Entscheidungsprozesse. Ethnografische Forschung in diesem Feld ist entsprechend mit besonderen Herausforderungen verbunden: Geheimhaltungspflichten, juristische Restriktionen und institutionelle Abwehrhaltungen erschweren den Zutritt. Der Artikel versteht den Feldzugang in diesem Zusammenhang nicht nur als Vorbedingung, sondern als epistemisch aufschlussreichen Bestandteil der Forschung selbst. Er zeigt, wie Abwehr, Zurückweisung und unvorhersehbare Gelegenheiten bereits Einblicke in die sozialen und kulturellen Logiken universitärer Institutionen eröffnen. Dabei erweist sich Zugang als experimenteller Prozess: wenig planbar und schwer zu kontrollieren und dabei geprägt von Unsicherheit, Improvisation und der ständigen Aushandlung der eigenen Rolle im Feld. Kontakte im Bereich der Gleichstellung – oft über „weak ties“ (Granevetter) vermittelt – wurden zu zentralen Brücken, die den Zugang ermöglichten. Ethnografie wird so als tastende, risikobereite Suchbewegung greifbar, deren Potential gerade in der Fragilität des Zugangs liegt. Indem sie institutionelle Widerstände ernst nimmt, transformiert sie diese in analytische Einsichten und verdeutlicht damit den experimentellen Charakter ethnografischer Forschung an Universitäten.
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